Ist Demenz heilbar?

Die Alzheimer Forschung Initiative veranstaltete am 11. Mai 2021 ein Webinar, in dessen Rahmen über den aktuellen Forschungsstand auf dem Gebiet der Alzheimerforschung informiert wurde. Memosonris nahm daran teil und möchte in diesem Artikel die wichtigsten Informationen des Vortragenden Professor Dr. Stephan Schilling der Fraunhofer-Gesellschaft in Halle zusammengefasst und leicht verständlich mit dir teilen. Wir bedanken uns für diesen tollen Vortrag und möchten anmerken, dass die folgenden Informationen aus unserer subjektiven Sicht wiedergegeben werden und keinen Vollständigkeitscharakter haben.

Die Leitfrage des Vortrags lautete: Ist Demenz heilbar?

Die Kurzantwort darauf lautet: Nein, Demenz ist nicht heilbar. Es gibt jedoch einige vielversprechende Ansätze, die mittel- oder längerfristig erste Erfolge ermöglichen könnten. Derzeit kann bei frühzeitiger Erkennung der Erkrankung lediglich eine Verlangsamsung der Ausprägung der Symptome durch entsprechende Medikamente erreicht werden.

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an verschiedenartigen Formen der Demenz und schon seit vielen Jahren wird nach einem Gegenmittel geforscht. Daher kommt unweigerlich die Frage auf: Warum ist es so schwer, Alzheimer zu therapieren?

Ein Faktor ist laut Professor Dr. Stephan Schilling, dass der Verlauf der Krankheit (genannt die Erkrankungs-Kaskade oder Amyloid-Kaskade) im Vergleich zu anderen Erkrankungen sehr lang ist. Sie kann sich über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinziehen und ist daher aus medizinischer Sicht schwieriger zu behandeln. Ein weiterer Faktor, der die Therapie erschwert, ist die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, die bewirkt, dass das Gehirn im Blutkreislauf ganz besonders abgeschottet ist, sodass es schwer ist, mit Medikamenten dort anzusetzen und das Gehirn mit den Wirkstoffen verlässlich zu erreichen. Ein dritter Faktor ist, dass es keine guten Modelle gibt, denn die Erkrankung prägt sich nur bei uns Menschen auf diese bestimmte Weise aus. Studien, die an Tieren durchgeführt werden, sind aus diesem Grund nur bedingt auf die Therapie eines Menschen übertragbar.

Sehr interessant waren auch die Hinweise, dass sowohl der Darm als auch die Zahnfleischentzündung Paradontitis mit der Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung in Verbindung stehen könnte. Eine chronische Paradontitis kann durch die Virulenz der mikrobiellen Infektionserreger eine Vielzahl von Folgeerkrankungen bedingen, denn es entstehen giftige Enzyme, die auch ins Gehirn gelangen können und so einen Verfall und kognitive Beeinträchtigungen auslösen könnten. Des Weiteren stehen der Darm und das Gehirn als Nervensysteme über Botenstoffe in Verbindung, sodass auch hier Wechselwirkungen entstehen können, die ebenfalls eine Demenz auslösen könnte.

Zahlreiche klinische Studien befinden sich derzeit in fortgeschrittenen Phasen, der Fokus liegt dabei auf den Antikörpern, die Ablagerungen im Gehirn markieren bzw. diesen entgegenwirken. Das Medikament „Aducanumab“ ist dabei am weitesten fortgeschritten und einem Zulassungsantrag könnte im Laufe des Jahres in den USA stattgegeben werden, auch wenn dies durch den Experten derzeit als eher unwahrscheinlich eingeschätzt wird. Klar ist auch, dass Antikörper alleine eine Demenz nicht heilen werden können und daher auf Kombinationstherapien gesetzt werden wird.

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