
Für Angehörige und Freunde kann es oft schwierig sein, einem von Demenz betroffenen nahestehenden Menschen das Gefühl zu geben, dass man an sie oder ihn denkt und trotz eventueller räumlicher Distanz gedanklich anwesend ist und sich kümmert.
Um die räumliche Distanz zu unserer von Demenz betroffenen Großmutter zu überbrücken, fragte ich mich schon vor Jahren, ob es wohl ein Tablet auf dem Markt gibt, das bei der Person zu Hause aufgehängt werden kann und eine Außensteuerung zulässt. Die Grundidee war, dadurch aktuelle Fotos, Erinnerungen und Nachrichten an das Tablet schicken zu können und darauf anzeigen zu lassen, sowie à la Skype auf das Gerät anrufen zu können. Die Lebensführung könnte durch eingespeicherte Termine („Mach dich jetzt auf den Weg zur Tagesbetreuung“, „Trinke doch mal wieder ein großes Glas Wasser“ etc.) erheblich erleichtert werden. Damals recherchierte ich viel und war verwundert, dass es noch kein derartiges Produkt auf dem Markt gab. Aus meiner Sicht könnte ein solches Gerät schließlich vielen Familien helfen, ständig mit der Person mit Demenz verbunden zu sein und ihr Hilfe anzubieten. Schließlich dachte ich sogar darüber nach, wie ich es selbst herstellen könnte.
Mittlerweile gibt es aber gute Apps im App Store, die sich auf jedes beliebige Gerät laden lassen und ähnliche, wenn auch weniger umfangreiche, Funktionen anbieten. Ein Problem stellt hier immer noch die Bedienung der Geräte dar, die von Demenzerkrankten oft nicht mehr ausgeführt werden kann. Wirklich bahnbrechend war für unsere Familie dann das Alexa Echo Show von Amazon.
Hier sind die Vorteile aufgelistet, die wir mit Hilfe von Alexa umsetzen konnten. Die eher technischen Details sowie Tipps zur Einrichtung des Geräts stehen unter der Rubrik Digitale Downloads zum Herunterladen als für dich PDF bereit.
- Jederzeit Video-Telefonieren, ohne ein Gerät bedienen zu müssen: Dank der Drop In Funktion von Alexa können wir uns jederzeit direkt von unseren Smartphones auf Alexa schalten und stehen so „im Wohnzimmer“ der Großmutter. Sie muss hierzu keinen Knopf betätigen und auch keinen Sprachbefehl geben; der Anruf wird automatisch angenommen. Natürlich ist es auch möglich, die Person den Anruf aktiv annehmen zu lassen, wenn das gewünscht ist. Videotelefonie ist für uns viel persönlicher als ein normales Telefonat. Meine Großmutter kann mir so sogar Fitnessübungen über den Bildschirm nachmachen und mir Dinge aus ihrem Haus wie Briefe oder Postkarten über die Kamera zeigen.
- Fotoalbum-Funktion, um die Person mit Demenz am Leben anderer teilhaben zu lassen: Auf der Startseite des Geräts werden Fotos in einer durchlaufenden Dia-Show angezeigt. So kann man jederzeit neue Fotos auf das Gerät laden, die immer wieder für ein Lächeln sorgen und bekannte Gesichter zeigen. Schöne Momente, auch weit weg aus dem Urlaub oder von Bekannten, lassen sich jederzeit über die Smartphone App teilen. Man kann auch Bilder der Familienmitglieder und Freunde mit den jeweiligen Namen anzeigen lassen, sodass diese wiederholt und geübt werden können.
- An wichtige Termine oder den Tagesablauf erinnern: Menschen mit Demenz fühlen sich oft verloren und haben Schwierigkeiten, ihren Tagesrhythmus einzuhalten. Umso hilfreicher ist es, wenn Erinnerungen automatisch zu einer bestimmten Zeit angezeigt werden und an Termine oder Aktivitäten erinnern. Unsere Großmutter trinkt viel regelmäßiger, seitdem Alexa sie jede Stunde an ein Glas Wasser erinnert. Morgens gibt Alexa Bescheid, wann sie sich auf den Weg zur Tagesbetreuung machen kann und abends, wann es Zeit für das Abendessen ist.
- Alles mit der Sprache steuern können: Die Steuerung des Geräts ist ohne technische Expertise möglich und relativ intuitiv, sodass sie in den früheren Phasen der Demenz durchaus noch erlernt werden könnte. Auf diese Weise können Videoanrufe getätigt oder einfach mal entspannende Musik abgespielt werden – „Alexa, spiel schöne Musik aus den 50er Jahren“.
- Einfaches automatisches Aufladen ohne selbst tätig werden zu müssen: Die Alexa Show kann in der Steckdose eingesteckt bleiben. Ein Nachtmodus lässt sich automatisch einstellen. So muss die von Demenz betroffene Person rein gar nichts mehr selbst machen und das manuelle Aufladen des Geräts entfällt komplett.
Unsere Großmutter hat sich schnell mit dem Alexa-Gerät angefreundet und verstanden, dass es ein tolles Hilfsmittel sein kann, um den Alltag zu bestreiten. Wir haben ein Namensschild mit der Aufschrift „Alexa“ an das Gerät über dem Bildschirm angebracht, sodass sie sich daran erinnern kann, wie sie das Gerät ansprechen und aktivieren kann und können täglich miteinander sprechen. Ihre Freude über die Anrufe und die Gewissheit, jederzeit die Gesichter von bekannten Menschen sehen zu können, sind ein tolles Beispiel dafür, wie Technologie in Verbindung mit Demenz genutzt werden kann und zu mehr Sicherheit und Lebensqualität führen kann – Das trifft sowohl für die Person selbst, als auch für Angehörige und Freunde zu, die leichter und persönlicher Kontakt aufnehmen können und durch die Hilfestellungen etwas beruhigter im Hinblick auf den Lebensrhythmus und die Betreuung der Person sein können.
Übrigens kannst du diesen Artikel und die Einrichtung eines Alexa-Geräts natürlich auch ganz allgemein, z.B. für Großeltern, Eltern und Freunde weiterempfehlen. Wann immer es Bedarf an leichter Videokommunikation, Erinnerungen oder Teilen von Fotos sowie Sprachbedienung gibt, kann dieser Artikel nützlich sein. Durch den „Teilen“-Button kannst du den Artikel direkt an Personen weiterleiten, die ihn lesen sollten.
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Lies diesen Artikel auf @memosonris in dem erklärt wird, welche Vorteile ein Alexa Gerät wie das Echo Show für Demenzerkrankte und deren Angehörige bietet.
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